Bewusstsein

Zur Unterscheidung zwischen Aufmerksamkeit und Bewusstsein

“Im Alltagsleben scheinen Aufmerksamkeit und Bewusstsein zusammenzugehören... Jedoch haben Wissenschaftler aus einer Reihe von Verhaltensbeobachtungen in jüngster Zeit geschlossen, dass Aufmerksamkeit und Bewusstsein zwei grundlegend verschiedene Prozesse im Gehirn darstellen, die nicht notwendigerweise miteinander verbunden sind.
Dazu haben jetzt Forscher des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik zusammen mit japanischen Kollegen eine neue Studie in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht. Sie liefern den ersten experimentellen Nachweis, dass die primäre Sehrinde, der Eingangsbereich zur visuellen Informationsverarbeitung in der Großhirnrinde, nur durch Aufmerksamkeit, nicht aber durch das Bewusstsein aktiviert wird. Dieses Ergebnis bekräftigt die Hypothese, dass Nervenzellen unterschiedlich auf Aufmerksamkeit und Bewusstsein reagieren.

Die Ergebnisse der Experimente erstaunten selbst die Wissenschaftler. „Ich war selbst überrascht über die Befunde, sie haben mich dazu gebracht
umzudenken“, sagt Masataka Watanabe. Während die auf das Objekt gerichtete Aufmerksamkeit die Aktivität der Nervenzellen in der Sehrinde fast verdoppelte, hatte die Sichtbarkeit des Objekts nahezu keine Wirkung. „Die gemessenen Signale werden hier nicht vom Bewusstsein moduliert“, fasst der Wissenschaftler die Ergebnisse zusammen.
Die Ergebnisse der Experimente könnten sogar Auswirkungen auf Philosophie und Psychologie haben: Bisher gehen viele Wissenschaftler davon aus, dass das Bewusstsein Teil aller anderen Gehirnbereiche und untrennbar mit anderen geistigen Funktionen verknüpft ist. Darauf deuteten auch frühere Experimente hin. Dies muss jedoch nach den neuen Ergebnissen in Frage gestellt werden.” (Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, Dagmar Sigurdardottir, 10.11.2011; Originalpublikation: Masataka Watanabe; Kang Cheng, Yusuke Murayama, Kenichi Ueno, Takeshi Asamizuya, Keiji Tanaka, Nikos Logothetis: Attention but not Awareness Modulates the BOLD Signal in Human V1 During Binocular Suppression. Science, 11. November 2011)

“Die unterbewussten Anteile steuern die Möglichkeit, Erfahrung ins Bewusstsein zu tragen. Von daher ist es wohl zu verstehen, dass in der klassischen Psychologie und Tiefenpsychologie der Begriff Seele stets für das Unbewusste überhaupt verwendet wird, ohne die Unterscheidung seiner Teile. Wir müssen das Unbewusste differenzieren in das jeweilige Unterbewusste des Geistes (mit seinen “gedachten Gefühlen”, Sitz im Frontalhirn), der Seele (mit ihren “genuinen Gefühlen”, Sitz im Gyrus parahippocampalis) und des Körpers (mit seinen unwillkürlichen Aktivitäten, Sitz im Hirnstamm) mit ihren Gedächtnisanteilen.” (aus: Schmach3; 6. Kapitel: Väter haben wir alle)

“Die Inhalte der Aussenwelt werden immer wahrgenommen, aber gelangen nicht notwendigerweise ins Bewusstsein.” (Umgang5 u.a. “Relationspotenz und Gefühlsumwandlung”)

“In vielen alltäglichen Situationen und bei vielfältigen Verstimmungen... wird die Aufmerksamkeit begrenzt.” (Noosomatik Bd.V: V.5.9. Aufmerksamkeit und Konzentration)

Nach meiner Theorie muss also zwischen Aufmerksamkeit und Bewusstsein unterschieden werden.

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